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Ein Buch über Tee
 Erst
Medizin, dann Weltanschauung.
Tee, Koffein oder Thein für
schwangerne Frauen?
Tee ist nach Wasser das weltweit am
häufigsten aufgenommene Getränk. Er schmeckt angenehm
und löscht den Durst. Da der Salzgehalt gering ist, wird die
Regulation der Plasmaosmolarität nicht beeinflusst. Tee ist in
dieser Hinsicht mit Trinkwasser vergleichbar und unproblematisch.
Er wirkt leicht anregend und entspannend. Ein wichtiger Punkt
für Schwangere, die sich häufiger mal eine
entspannende Pause gönnen sollten.
Tee wird aus den Blättern der Teepflanze Camellia sinensis
hergestellt. Werden die Blätter nach der Ernte gleich erhitzt,
um die im Blatt enthaltenen Enzyme zu inaktivieren, erhält man
grünen Tee (unfermentierter Tee). Bei der Herstellung von
schwarzem Tee findet unter Luftzufuhr eine Fermentation statt. Die im
Teeaufguss nachweisbaren löslichen Inhaltsstoffe sind nicht
nur von der Teesorte (grün oder schwarz), sondern auch von der
Zubereitung (Teemenge, Wassertemperatur, Brühzeit),
abhängig. Tee ist gut geeignet, die häufig zu geringe
Flüssigkeitsaufnahme von Schwangeren mit der Nahrung
aufzubessern. Durch verschiedene Teesorten und die Art der Herstellung
lässt sich individuell ein Lieblingsgetränk
herstellen, das anregend wirkt und gut schmeckt. Von den im Tee
enthaltenen, gesundheitsfördernden Stoffen können
Schwangere, wie zahlreiche Untersuchungen zeigen, in verschiedener
Weise profitieren.
Koffein
Grüner oder schwarzer Tee enthalten
zwischen 1,5 und 5,0 Prozent Koffein in der Trockensubstanz. Je nach
Zubereitung sind das pro Liter schwarzer Tee 150 bis 350 mg Koffein. Im
Vergleich dazu: Ein Liter Kaffee liefert mit 350 bis 1100 mg deutlich
mehr Koffein. Gleichzeitig regt das Koffein aus Kaffee schneller an und
lässt auch rascher wieder nach. Koffein aus Tee bewirkt
hingegen eine mildere Anregung, die länger anhält.
Der Grund dafür ist zum einen in dem geringeren Koffeingehalt
von Tee zu suchen. Zum anderen wird Koffein aus Tee aufgrund seiner
Bindung an Gerbstoffe und Aminosäuren nicht
vollständig vom Organismus aufgenommen. Je länger
schwarzer Tee zieht (vier bis fünf Minuten), desto
höher ist der Anteil an Gerbstoffen. Auch die gleichzeitige
Nahrungsaufnahme setzt die Absorption des Koffeins herab.
Ein weiterer Grund für die unterschiedlich intensive
Wirkungsweise des Koffeins aus Kaffee und Tee ist folgender: Koffein
aus Kaffee gelangt über die Blutbahn zur Nebennierenrinde und
führt dort zu einer sofortigen Freisetzung des Stresshormons
Adrenalin. Die Koffeinwirkung von Tee geht jedoch nicht
hauptsächlich von der Nebenniere aus. Das an ein Kolloid
gebundene Koffein wirkt zunächst auf Parasympatikus und
Sympatikus, also über das vegetative Nervensystem.
Über die Erregung dieser Nerven wird dann die
Adrenalinproduktion angeregt und zwar nach und nach. Es erfolgt also
keine Stresssituation wie beim Kaffee. Tee regt an, aber nicht auf, was
für Schwangere weniger belastend ist. Wilson und Scott sind
der Ansicht, dass eine mäßige Verwendung
koffeinhaltiger Getränke während der Schwangerschaft
kein Risiko für das Ungeborene darstellt. Die Halbwertszeit
der vollständigen Ausscheidung von Koffein liegt bei drei bis
sechs Stunden. Diese Zeit verdoppelt sich in der zweiten
Schwangerschaftshälfte.
Fluorid und Kalium
Lebensmittel bzw. Getränke die das Anion Fluorid enthalten
sind sehr selten. Zu ihnen gehören Tee und Seefische. Auch
Trinkwasser kann das Spurenelement enthalten. Als Richtwert
für Schwangere werden 3,1 mg Fluorid pro Tag angegeben. Etwa
fünf bis sechs Tassen Tee können je nach Sorte den
Tagesbedarf einer Schwangeren decken. Der Fluoridgehalt in Knochen und
Zähnen liegt zwischen 200 und 2000 mg/kg. Das Spurenelement
härtet den Zahnschmelz und hemmt die Aktivität von
Enzymen, die an der Kariesbildung beteiligt sind.
Auch die Zufuhr von Kalium kann sich über das Trinken von Tee
verbessern. Für dieses Mengenelement werden als
Schätzwert für die minimale Zufuhr 2000 mg/Tag
angegeben. Der Körperbestand der Frau liegt bei 100 g. Kalium
ist das häufigste Kation der intrazellulären
Flüssigkeit mit einer Konzentration von 140 mmol/l. Wird
dieser Wert unterschritten, treten neuromuskuläre Symptome wie
Schwäche der Skelettmuskulatur bis hin zu
Funktionsstörungen des Herzens auf. Die Kaliumversorgung
erfolgt durch pflanzliche Lebensmittel, wobei zu beachten ist, dass
Verluste durch Übergang in das Kochwasser auftreten. Tee
enthält 20 mg Kalium je 100 ml. Demgegenüber liefert
er mit 1 mg/100 ml nur wenig Natrium (Kochsalz).
Alkylamine
Neueste Untersuchungen an der Bostoner Harvard Medical School zeigen,
dass Tee die Abwehrkräfte verbessert. Die Arbeitsgruppe um
Jack Bukowski fand heraus, dass die immununterstützende
Wirkung von Tee auf die enthaltenen Alkylamine
zurückzuführen ist. Diese Substanzen gehören
zu den Signalstoffen, an denen das menschliche Immunsystem
Krankheitserreger erkennt. Auch hier können Schwangere vom Tee
trinken profitieren.
Polyphenole
Das Entdecken der so genannten sekundären
Pflanzeninhaltsstoffe und ihrer Bedeutung ist für die
menschliche Gesundheit ein großer Fortschritt. Die bioaktiven
Stoffe wurden früher als nicht notwendig angesehen. Heute
weiß man, dass sie einen positiven Einfluss auf die
menschliche Gesundheit haben. Zu den sekundären
Pflanzeninhaltsstoffen gehört die Gruppe der Polyphenole. Dies
ist eine Sammelbezeichnung für Verbindungen, die meist mehr
als zwei Phenol- oder Phenolethergruppen am aromatischen Ring besitzen.
Flavonoide stellen eine Untergruppe der Polyphenole dar. Zu ihnen
gehören z. B. die Catechine, Flavone und Flavonole.
Teeblätter sind eine sehr gute Quelle für der
Polyphenole (Flavonoide), die unter anderem antioxidativ wirksam sind
und unerwünschte Oxidationsvorgänge im Organismus
verhindern oder unterbrechen können. Nach Wiseman et al. haben
Teegetränke in vitro deutlich höhere antioxidative
Wirkungen, als die meisten Gemüse- und Früchtearten.
Außerdem stellten sie eine höhere Wirksamkeit als
bei Vitamin C, E und Carotinoiden fest. Auch hier profitieren
Schwangere. Neben der antioxidativen Wirkung besitzen einige der
Polyphenole (z. B. Theaflavine) außerdem eine
kardioprotektive Wirkung.
Die in frischen Teeblättern vorhandenen Flavonoide werden bei
der Verarbeitung von grünem Tee wenig verändert. 80
bis 90 Prozent sind Catechine (Catechin, Epicatechin, Epigallocatechin
und Epigallocatechingallat).
Den Rest (weniger als zehn Prozent) stellen die Flavonole (Kaempferol-,
Quercetin- und Myricetinglycoside).
Bei schwarzem Tee ändert sich die Zusammensetzung durch die im
Verlauf der Herstellung erfolgte Oxidation und Polymerisation. Der
Catechingehalt geht auf 20 bis 30 Prozent zurück. Neu gebildet
werden Theaflavine (10 Prozent) und Thearubigene (50 bis 60 Prozent).
Eine Teeinfusion kann abhängig von der Teemenge, Blattalter
und Sorte 50 bis 450 mg Polyphenole pro Tasse enthalten.
(info@teebuch.de)
Letzte Aktualisierung am 29. Januar 2010
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